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Tunnelbau als Leidenschaft Print

Der neue Leiter des Lehrstuhls Subsurface Engineering – vormals Geomechanik, Tunnelbau und konstruktiver Tiefbau – will sowohl in der Forschung als auch in Lehre neue Akzente setzen.

"Eigentlich schließt sich mit meiner Berufung ein Kreis: ich bin damals genau wegen dieses Instituts nach Leoben gekommen, um zu studieren, jetzt darf ich als Universitätsprofessor an diesen Ausgangspunkt zurückkehren“, zeigt sich Professor Robert Galler erfreut.

Faszination Hohlraumbau
Galler wurde in Graz geboren und besuchte die HTL für Bauwesen mit der Spezialisierung auf Tiefbau. „Ich habe schon sehr früh gewusst, in welche berufliche Richtung ich gehen möchte“, so Galler. Durch Praktika während seiner Schulzeit wurde der Wunsch nach einem Studium mit der Thematik Hohlraumbau immer konkreter; zahlreiche Praktika während des Studiums in Leoben haben seine Begeisterung für die, wie er es nennt, „Faszination Hohlraumbau“ weiter wachsen lassen. Schon bald begann die Spezialisierung in den Bereichen Geotechnik, Tunnel- und Hohlraumbau. Nach der Graduierung zum Diplomingenieur wurde Galler vom Studienassistenten am Institut für Geomechanik, Tunnelbau und Konstruktiven Tiefbau zum Assistenten und Lehrbeauftragten für das Fachgebiet „Materialverhalten von Geomaterialien“; im Jahr 1997 folgte die Promotion zum Dr. mont.

Erfahrung in der Privatwirtschaft
Anschließend wechselte Galler in die Privatwirtschaft. Bis 2001 war er Projektleiter für das international tätige Ingenieurbüro „Geoconsult“ und verantwortlich für die Planung und geotechnische Betreuung diver­ser Eisenbahnneubaustrecken in Deutschland. Von 2001 bis 2004 war Galler im selben Unter­neh­men Ab­teilungsleiter für das gesamte Bauwesen. Seit 2005 ist er Nieder­lassungsleiter der Firma „Geoconsult“ in Innsbruck und als Gesamtprojektleiter eines internationalen Joint Ventures verantwortlich für das Großprojekt „Brennerbasistunnel“. Seit 1. November ist Galler der Nachfolger seines Lehrers o.Univ.-Prof. Dr. Johann Golser, bis Ende Februar noch in Doppelfunktion mit seinen Aufgaben in Innsbruck. „Ich bin jede Woche zwei bis drei Tage in Leoben, an denen ich auch meine Vorlesungen halte, gut, dass ich meine alte Studentenwohnung immer behalten habe – sie ist mir jetzt von großem Nutzen.“ In Innsbruck muss er noch seinen Nachfolger ein­schulen, bevor er dann ab März ganz der Uni­versität zur Verfügung steht.


Adaptierungen in der Lehre
Der Lehrstuhl ist im sogenannten Rabcewicz-Gebäude angesiedelt. „Rabcewicz war der Va­ter der NATM – New Aus­trian Tunnelling Me­thod, die heute welt­weit bekannt ist und mit großem Erfolg eingesetzt wird.“ Mit zwei Se­kretärinnen, vier wissenschaftlichen Mitarbeitern und einem Laboranten wird der Lehrbetrieb geführt. Ziel in der Lehre ist es, „Studierende im Fach­gebiet breit, international und interdisziplinär auszubilden“, so der neue Vorstand. Wichtig sei, dass der fertige Diplomingenieur auch auf den Gebieten der Tunnelsicherheit, der Aerodynamik und der Ausrüstungssysteme Grund­kenntnisse habe. „Auch rechtliche Be­lange und spezielle betriebswirtschaftliche Überlegungen wie die Kostenberechnung müssen Teil der Ausbildung im Hohlraumbau sein,“ so Galler über leichte Adaptierungen, die er im Lehrplan vornehmen möchte.


Zukünftige Forschungsschwerpunkte
Drei Forschungsschwerpunkte hat sich Galler fürs Erste vorgenom­men: Wechselwirkungen der Tunnel­vortriebstechniken – insbesondere von Tunnelvortriebsmaschinen – mit dem Gebirge und dem erforder­lichen primären und sekundären Aus­bau, um den Hohlraumbau zukün­ftig noch wirt­schaftlicher gestalten zu kön­nen, die Erforschung des Ent­stehens von Mikrorissen sowie des Lang­zeitverhaltens von Geo­ma­teria­lien. Galler möchte auch verstärkt die Kooperation mit der Bau- und Berg­bauindustrie suchen. „Die Zu­sammen­arbeit mit der Industrie im Bereich der Hohlraumbauforschung ist mir ein ganz großes Anliegen.“ Auch die ACTP (Austrian Construction Technology Plattform) beschloss, dass die Forschungsgelder im Bereich des Tunnel­baus aufgestockt werden müssen – eine Chance für den Lehrstuhl.


Galler – privat passionierter Sänger und Gitarrespieler – ist auch in verschiedensten Gremien vertreten: Er ist im Vorstand der Österreichischen Gesellschaft für Geomechanik, darin Vorsitzender der Fachsektion Hohlraumbau, er vertritt Österreich in der ITA (International Tunneling Association), arbeitet bei der Organisation von internationalen Kongressen mit und ist in diversen Arbeitsgruppen vertreten, die sich mit nationalen und internationalen Richtlinien im Bauwesen beschäftigen.


„Ich bin natürlich über die Berufung sehr glücklich: zum einen, weil der Tunnelbau schon immer mei­ne Leidenschaft war, zum anderen, weil ich wieder nach Leoben – meine Ausbildungsstätte – zurückkehren darf.“ Galler unterstreicht die Wich­tigkeit der Arbeitserfahrung in der Wirt­schaft als Voraussetzung für eine Be­rufung als Universitätsprofessor an der Montanuniversität. Nur so könne ei­ne Lehre auf dem neuesten Stand gewährleistet werden. „Mir ist aber auch wich­tig, dass Studierende neben ihrem Stu­dium aktiv sind: sei es als Studienrichtungsvertreter, wie ich es einmal war, oder dass man sich sozial engagiert, Sprachen lernt oder reist. Für die Ent­wicklung der Persönlichkeit sind sol­che Dinge nicht wegzudenken und helfen dann im Berufsleben“, ist sich Galler sicher.


Weitere Informationen
Univ.-Prof. Dr. Robert Galler
Subsurface Engineering – Department Mineral Resources and Petroleum Engineering – Montanuniversität Leoben
Tel.: 03842/402-3400
E-Mail: geomech@unileoben.ac.at