16.01.2004

Entleertes Gehirn durch neue Technologien

Szenarien über den Computer des Jahres 2011 präsentierte der bekannte Informatik-Professor Hermann Maurer in einem Vortrag an der Montanuniversität Leoben.

"Der Computer des Jahres 2011 hat keine Festplatte, keinen Bildschirm, keine Tastatur und keine Batterie", überraschte Hermann Maurer, Informatik-Professor der TU Graz und Science-Fiction-Autor, die Besucher seines spannenden Vortrages "Wie der PC unser Leben verändert" an der Leobener Uni. Der künftige PC werde eine Kombination aus Handy, Computer, Kamera, GPS, Reisepass, Zahlungsmechanismus und permanentem Netzzugang darstellen. 

Die Benutzer werden diese Computer am Körper tragen. Eine Brille werde Ton direkt in die Ohren und dreidimensionale Bilder direkt auf die Netzhaut liefern, ein Halsband werde mit einem Kehlkopfmikrophon für die Spracherkennung ausgestattet sein, und ein Kopfband werde die Dateneingabe über das Denken ermöglichen. Den eigentlichen Computer, der nicht größer als ein Handy sein wird und ständig mit der Brille, dem Halsband und dem Kopfband kommuniziert, könne man z. B. in einer Sakkotasche tragen. Ausgestattet mit einem winzigen Speicher mit einer Kapazität von einem Terabyte und einer Brennstoffzelle als Stromlieferant können Anwender die Inhalte ganzer Multimedia-Lexika abrufen. 

Wachsende Abhängigkeit

Diese Technologien, die laut Maurer in zehn Jahren eine ähnliche Marktdurchdringung haben werden wie heute die Handys, werden unser Leben drastisch verändern. Der Computer werde "zu einem Führer, Erläuterer und Assistenten des Menschen", es komme zu einer "Entleerung des Gehirns". Ähnlich wie die komplexe Arbeitsteilung bei der Güterproduktion werde es eine Arbeitsteilung bei der Wissensproduktion und -verteilung geben. Maurer: "Der Computer wird zur Erweiterung des Gehirns und verbindet die Menschen miteinander." Dadurch wachse die gegenseitige Abhängigkeit. "Das Lebewesen Mensch", so der Grazer Informatiker, "wird ersetzt durch das Lebewesen Menschheit". Das Bildungswesen sei gefordert die Frage zu beantworten, was man vermittle - und nicht, wie man es tue. 

Professor Maurer warnte vor neuen Möglichkeiten in der Überwachung und der enormen Abhängigkeit von einer dominanten Technologie. Bereits jetzt würde ein Total-Zusammenbruches des Internets zu einer Katastrophe führen. "Je später dieser Zusammenbruch kommt, desto katastrophaler werden die Auswirkungen sein", schloss Hermann Maurer, der in seiner Science-Fiction-Romanserie "Xperten" die Folgen künftiger Technologien schildert. 

Professor Hermann Maurer hielt den Vortrag an der Leobener Uni auf Einladung des Institutes für Angewandte Mathematik der Montanuniversität.