09.10.2013

Friedensnobelpreisträgerin zu Gast an der Montanuniversität Leoben

Im Zuge eines Österreichaufenthaltes wird die guatemaltekische Menschenrechtsaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchú Tum am Samstag, den 21. September 2013, der Montanuniversität Leoben einen Besuch abstatten. Im Mittelpunkt steht ein Vortrag zum Thema „Human Rights“ um 10 Uhr 30 in der Aula. Kartenvorverkauf im Zentralkartenbüro Leoben.

*)Rigoberta Menchú wurde 1959 in dem kleinen Bergdorf Chimel im Norden Guatemalas geboren. Ihre Familie waren Quiché-Indianer und sehr arm. Das kleine Stück Land, das der Familie gehörte, reichte nicht aus, um alle zu ernähren. Wie die Nachbarn im Dorf, die sich in der gleichen Lage befanden, musste die Familie von Rigoberta Menchú acht Monate im Jahr an der Küste in den Kaffee- oder Baumwollplantagen arbeiten.

Die eingeborenen Indianer in Guatemala hatten keine Bürgerrechte. Diese blieben Menschen spanischer Abstammung vorbehalten. Der Willkürherrschaft waren damit Tür und Tor geöffnet. Guatemala zählt zu den Ländern mit der bedrückendsten Geschichte von schweren Menschenrechtsverletzungen. Als die vom Militär geführte Regierung und die reichen Großgrundbesitzer damit begannen, Indianerland mit Gewalt in ihren Besitz zu bringen, wurde der Vater von Rigoberta Menchú, Vincente, ein Führer der Bauernbewegung, die sich dagegen zu wehren versuchte. Er schrieb eine Reihe von Petitionen, die sich aber als wirkungslos erwiesen. Die Folge waren Proteste, um den Indianern das Land zu sichern, auf dem sie bisher gelebt und das sie zum Teil auch selbst urbar gemacht hatten. Wegen seiner Aktivitäten wurde Vincente Menchú mehrmals verhaftet und ins Gefängnis gesteckt.

1979 wurde der 16-jährige Bruder von Rigoberta Menchú, Petrocinio, von Soldaten entführt, gefoltert und vor den Augen seiner Familie bei lebendigem Leib verbrannt. 1980 starb Vincente Menchú zusammen mit 38 anderen Indianerführern in einem Feuer in der spanischen Botschaft, wo er gegen Menschenrechtsverletzungen an Indianern protestierte. Auch die Mutter von Rigoberta Menchú war in der Oppositionsbewegung aktiv. Im darauffolgenden Jahr wurde auch sie entführt, vergewaltigt, gefoltert und umgebracht.

Menchú selbst war ebenfalls aktiv in der Bewegung ihres Vaters, dem Vereinigten Bauernkomitee und wurde von der Regierung Guatemalas gesucht. Nach dem Tod ihrer Mutter floh sie nach Mexiko. Dort diktierte sie 1983 einer Anthropologin ihre Autobiographie "Ich... Rigoberta Menchú", die nicht nur ihre eigene Geschichte erzählt, sondern auch vom Leben und den Gebräuchen der Indianer Guatemalas berichtet. Dieses Buch und die von Rigoberta Menchú geführte Kampagne für soziale Gerechtigkeit lenkte internationale Aufmerksamkeit auf den Konflikt zwischen den Indianern und der Militärregierung in Guatemala.

1992 wurde Rigoberta Menchú als bisher jüngsten Preisträgerin der Friedensnobelpreis verliehen. Sie war die erste Indianerin in der Geschichte des Nobelpreises. Diese Entscheidung war nicht unumstritten, da ihr Verhältnis zur Gewalt während der Jahre im Widerstand ambivalent blieb. Mit dem Preisgeld in Höhe von 1,2 Millionen Dollar gründete sie eine Stiftung mit dem Namen ihres Vaters, um den Kampf um Menschenrechte für die Indianer Guatemalas fortzusetzen. Ihr Einsatz hat unter anderem dazu geführt, dass die Vereinten Nationen das Jahr 1993 zum "Internationalen Jahr für die Rechte eingeborener Völker" erklärten.

1996 wurde Menchú von den Vereinten Nationen zur UNESCO-Sonderbotschafterin zur Förderung einer Kultur des Friedens und der Rechte indigener Menschen ernannt. Sie ist Mitglied im Club of Rome.
*) Quelle: Stuttgarter Gesellschaft für Wissensvermittlung über neue Medien und politische Bildung

Weitere Informationen:
Erhard Skupa
Tel: +43 3842 402 7220
E-Mail: erhard.skupa(at)unileoben.ac.at