29.10.2008

Montanuni will mit Kunststofftechnik hoch hinaus

Kunststofftechnik und ihre Produkte sind weltweit gefragt und "ein Wachstumsgebiet der Materialwissenschaften". So hat sich auch laut Rektor Wolfhard Wegscheider die technisch ausgerichtete Montanuniversität Leoben in diesem Bereich "ein Wachstumsprogramm vorgenommen".

Rektor Wolfhard Wegscheider und Vorsitzender des Universitätsrates Dr. Hannes Androsch bei der Pressekonferenz.

In den kommenden Jahren möchte man die Kunststofftechnik zu einem "Europäischen Exzellenzzentrum" ausbauen und damit auch dem von der Industrie beklagten Technikermangel in diesem Bereich begegnen, berichtete Wegscheider bei einer Pressekonferenz in Wien.

Die Nachfrage vonseiten der Industrie an qualifizierten Mitarbeitern könne derzeit nicht gedeckt werden, gleichzeitig sei das wirtschaftliche Potenzial etwa der polymeren Werkstoffe und der Werkstoffverbunde enorm: "Es gibt einen Boom der polymeren Werkstoffe weltweit", so Wegscheider. Aus der Industrie sei an die Uni der Wunsch herangetragen worden, in der Kunststofftechnik einen Ausbildungsschwerpunkt einzurichten und damit auch die Zahl der Absolventen "beträchtlich zu steigern", so der Industrielle Hannes Androsch, Vorsitzender der Universitätsrates der Montanuni.

Die Kunststofftechnik-Offensive sieht vor, zu den vier bereits bestehenden Lehrstühlen an der Montanuni Leoben weitere zwei mit Schwerpunkten beim Spritzgießen von Kunststoffen und bei der Verarbeitung von Verbundwerkstoffen einzurichten. Die Aufstockung des Lehrpersonals auf sechs Professoren wird angestrebt und ist schon teilweise erfolgt. Hatten die bestehenden Institute der Kunststofftechnik bisher noch keine "gemeinsame Bleibe", so will man diese laut Wegscheider nun mit der Bereitstellung eines neu adaptierten Gebäudes mit 6.000 Quadratmetern Fläche schaffen. Der Bezug soll Ende 2009 erfolgen.

Ausbau zu einem "Europäischen Exzellenzzentrum" geplant

Weitere Aktivitäten umfassen die "Erneuerung und Erweiterung der Labor- und Technikumsräumlichkeiten" sowie die Erweiterung der Forschungsinfrastruktur einschließlich der Anschaffung neuer Geräte, so der Rektor. Daneben sollen aber auch die Forschungskapazitäten über diverse Förderlinien ausgebaut werden. So hofft man im Rahmen der jüngsten Ausschreibung des Förderprogramms "COMET" auf die Bewilligung eines K1-Zentrums, das auf das bisherige Kplus-Zentrum "Polymer Competence Center Leoben" (PCCL, Laufzeit bis 2009) aufbauen soll. Auch die Einrichtung von Christian-Doppler-Labors kann sich Wegscheider künftig vorstellen.

Die Anstrengungen sollen mehrfach wirken: Zum einen möchte man die Anzahl der Studienanfänger auf 90 pro Jahr verdoppeln. Auch wenn eine doppelte Anzahl von Absolventen (bisher 25 pro Jahr) laut Androsch "nicht ausreicht", so sei sie "dienlich" und stelle eine Verbesserung der Situation dar. Doch zudem möchte man auch die Forschungskapazität am Standort erhöhen und sich international sichtbarer in Position bringen.

Einziges Manko: Zwar stellt der Ausbau der Kunststofftechnik an der Montanuni Leoben laut den Initiatoren ein Anliegen dar, das vom Wissenschaftsministerium, vom Land Steiermark, von der Stadt Leoben wir auch von der Industrie begrüßt wird und auch gefördert werden soll. Doch nun müssen auch noch die bereits versprochenen Gelder wirklich zur Verfügung gestellt werden. "Wir sind fertig, den Ausbau umzusetzen. Dazu müssen wir aber die notwendigen Mittel von den genannten Stellen bekommen", so Androsch. Gerechnet wird dabei mit 12 Mio. Euro Aufbaukosten (verteilt auf drei Jahre) sowie einem jährlichen Mehraufwand von 2,5 Mio. Euro für den laufenden Betrieb.

Weitere Infos:

Erhard Skupa
Tel.: 03842/402-7220
E-Mail: erhard.skupa(at)unileoben.ac.at