07.09.2015

Neues CD Labor für die Montanuniversität

Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft fördert neues Christian Doppler Labor für Extraktive Metallurgie von Technologiemetallen an der Montanuniversität Leoben

Priv. Doz. Dr. Stefan Luidold

Das am Lehrstuhl für Nichteisenmetallurgie der Montanuniversität Leoben eingerichtete, vom Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (BMWFW) geförderte Christian Doppler Labor für Extraktive Metallurgie von Technologiemetallen unter der Leitung von Priv.-Doz. Stefan Luidold soll gemeinsam mit Industriepartnern einerseits geeignete Technologien und Verarbeitungsrouten entwickeln, um diese Elemente aus konkreten, bislang ungenutzten Rohstoffquellen (unkonventionelle Erze, Reststoffe, Schrotte, gebrauchte Konsumgüter, etc.) zu gewinnen und andererseits das limitierte Wissen über deren Verhalten in den verschiedensten Prozessstufen erweitern. Letzteres bildet in weiterer Folge eine ideale Ausgangsbasis, um die Palette der ökonomisch und ökologisch verwertbaren Ressourcen zu erweitern. Letztendlich soll dadurch die Position der hochentwickelten österreichischen Industrie gestärkt werden.


Anwendungsorientierte Grundlagenforschung
In Christian Doppler Labors wird anwendungsorientierte Grundlagenforschung auf hohem Niveau betrieben, hervorragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kooperieren dazu mit innovativen Unternehmen. Für die Förderung dieser Zusammenarbeit gilt die Christian Doppler Forschungsgesellschaft international als Best-Practice-Beispiel. Christian Doppler Labors werden von der öffentlichen Hand und den beteiligten Unternehmen gemeinsam finanziert. Wichtigster öffentlicher Fördergeber ist das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (BMWFW). „Im internationalen Wettstreit der Ideen sind CD-Labors wichtig, weil sie neues Wissen marktreif und somit für Unternehmen nutzbar machen. Das sichert Wachstum und Arbeitsplätze und stärkt den Wissensstandort Österreich", unterstreicht Wissenschafts- Forschungs- und Wirtschaftsminister Dr. Reinhold Mitterlehner die Bedeutung des Förderprogramms.


Technologiemetalle
In der heutigen modernen Gesellschaft weisen die Energieeinsparung und das Recycling unterschiedlichster Wertstoffe, insbesondere von Metallen, schon lange einen hohen Stellenwert auf. Bezüglich letzterer konzentrierte sich die Rückgewinnung vor allem auf die großen Stoffströme der klassischen Massenmetalle (Eisen, Aluminium, Kupfer, etc.) sowie die sehr wertvollen Edelmetalle (Silber, Gold, Platin, etc.), für welche bereits ausgeklügelte Technologien und Prozesse verfügbar sind. Die treibenden Kräfte hierfür waren neben Aspekten der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes vor allem wirtschaftliche Überlegungen. Daher fand die Erzeugung der sonstigen Technologiemetalle (Refraktärmetalle wie beispielsweise Wolfram; Seltene Erden wie unter anderem Neodym und Europium; Nickel, Cobalt, Antimon, Indium, etc.) aufgrund ihrer vergleichsweise geringen Produktionsmengen von wenigen Ausnahmen abgesehen bisher kaum Beachtung. Im Gegensatz zur Verfügbarkeit der Energierohstoffe, welche seit den Ölkrisen in den 1970er-Jahren genau beobachtet wird, fand der langfristig gesicherte Zugang zu den Ressourcen für diese Elemente aufgrund des zumeist niedrigen Preisniveaus bislang kaum Aufmerksamkeit. Erst durch den massiven Ausbau der alternativen Energiequellen (Windkraftwerke, Photovoltaik, etc.), welcher enorme Mengen an Technologiemetallen benötigt, rückten die in diesem Bereich vorliegenden Versorgungsrisiken und Engpässe in den Fokus der industrielle und politischen Entscheidungsträger. Dadurch starteten weltweit unterschiedlichste Aktivitäten, um diese Problematik zu lösen, welche noch für längere Zeit ein interessantes und herausforderndes Aufgabengebiet darstellen wird. Das neue Christian Doppler Labor für Extraktive Metallurgie der Nichteisenmetalle wird sich in den nächsten Jahren gemeinsam mit den Partnerunternehmen intensiv mit unterschiedlichen Aufgabenstellungen in diesem Themenbereich auseinandersetzen, um der österreichischen Industrie geeignete Lösungen dazu bieten zu können.


Weitere Informationen:
Priv. Doz. Dr. Stefan Luidold
Tel.: +43 3842 402 5220
E-Mail: stefan.luidold@unileoben.ac.at