01/25/2001

Strategische Entwicklung mit Beratungs-Know-how

Als erste Uni Österreichs entwickelte die Montanuniversität Leoben in Zusammenarbeit mit einer Unternehmensberatung eine Gesamtstrategie.

Marktorientiertes Handeln wird auch für Bildungseinrichtungen immer wichtiger. Die schon lange diskutierte Universitätsreform, die mit der vorgezogenen Einführung der Studiengebühren politische Brisanz erhielt, und die enormen Werbeausgaben für die Fachhochschulen haben den "Bildungsmarkt" aufgerüttelt. Den Unis wurde dabei ein Image verpasst, das sie als wenig dynamisch und erstarrt darstellt.

Die Montanuniversität Leoben nimmt die Herausforderung des verstärkten Wettbewerbes an und entwickelte eine Gesamtstrategie für die künftige Entwicklung. Damit hat sich die Leobener Uni im Gegensatz zur bruchstückhaften Universitätsreform eine klare Linie gegeben. Denn die Montanuniversität Leoben möchte auch in Zukunft exzellente Forschung und Lehre betreiben, ausgezeichnete Absolventen/Absolventinnen hervorbringen, Studierenden attraktive Bedingungen bieten und anerkannter Partner der Industrie sein.

Technische Universität besonderer Ausrichtung

In 10 Leitsätzen, die qualitative Ziele für die Weiterentwicklung beschreiben, hält die Leobener Uni ihre Gesamtstrategie fest. Anspruch der Montanuniversität ist es (wie es im Leitsatz 1 heißt), ein "international anerkanntes Center of Excellence" zu sein.

Die Einheit von Forschung und Lehre, die ganzheitliche Betrachtung der Lehre, die Förderung von Allianzen, das Bekenntnis zu internationalen Standards, die partnerschaftliche Orientierung, das Festhalten an Management- und Marketingprinzipien sowie eine attraktive Infrastruktur als Voraussetzung sind wesentliche Inhalte der strategischen Leitsätze. Diese Leitsätze ergeben eine klare Positionierung in der Universitätenlandschaft als "technische Universität besonderer Ausrichtung".

Triple M

"Mining, Metallurgy, Materials" sind jene Kernkompetenzen, in denen die Montanuni eine qualitätsvolle Lehre anbieten und eine führende Position in der Scientific Community einnehmen möchte. Diese Kernkompetenzen liegen im Bereich der Wertschöpfungskette vom Rohstoff bis zum Bauteil/System. Entsprechend dazu haben vier Arbeitsgruppen (Rohstoffe und Geotechnik; Grund- und Werkstoffe; Prozess-, Produktions- und Umwelttechnik sowie Natur-, Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften) Grundstrategien und Vorhaben erarbeitet.

Strategische Projekte

Neun strategische Projekte haben sich aus den Grundstrategien der Kernbereiche ergeben. Die Projekte stellen sich als bedeutende Vorhaben bei der künftigen Positionierung der Universität dar. Zwei der Projekte – Metallurgiekonzept und Werkstoffkonzept – befinden sich bereits in der Umsetzung.

Breite Diskussion

Ein breit angelegter Diskussionsprozess ging der Erstellung der Strategie voran. In vier Arbeitsgruppen, welche die Kernbereiche abdecken, haben Professoren, Vertreter von Mittelbau, Studierenden und allgemeinen Bediensteten die grundstrategischen Ziele und Maßnahmen erarbeitet. In einer Strategieklausur unter Moderation der Beratungsfirma "Ramsauer & Stürmer Consulting" hat ein Lenkungskreis die Strategie verfeinert. Das Universitätskollegium hat die Strategie am 22. November 2000 einstimmig beschlossen.

Anregungen durch Absolventen

In die Diskussion um die Strategie sind auch Ergebnisse der Absolventenbefragung eingeflossen. Wesentliche Inhalte der Strategie wie der verstärkte Einsatz von neuen Medien in der Lehre, mehr Ausbildungsmöglichkeiten im Bereich Marketing gehen auf Anregungen der Absolventen zurück.

550 Abgänger der Montanuni haben in einer groß angelegten Absolventenbefragung ihre Meinung zum Studium an der "Alma Mater Leobiensis" kund getan. Besonders auffallend war die starke Bindung der Absolventen zu ihrer Uni, würden sich doch nahezu 100 % wieder für das gewählte Studium entscheiden. Sehen lassen können sich die Gehälter der Absolvent/innen. Nicht wenige zählen zu (Brutto-Jahreseinkommen-)Millionären, über ein Viertel verdient mehr als 800.000,- im Jahr.

Beste Karrierechancen

Die Ergebnisse der Absolventenbefragung und zahlreiche Jobangebote seitens der Wirtschaft sind für Rektor Dr. Wolfgang Pöhl ein "Auftrag, die Jugend für ein Studium an der Montanuni zu begeistern". Die Karrierechancen für die Absolventen seien enorm. Pöhl: "Die Old Economy hat sich zur New Economy gewandelt. In diesen Industrieunternehmen, die sich die neuen Technologien zu Nutze machen und längerfristig Bestand haben werden, ergeben sich beste berufliche Möglichkeiten für die Absolventen."