11/20/2013

Teilchen und Strahlen für Österreich

Immer mehr österreichische Forschungsprojekte, darunter auch viele aus Leoben, werden an europäischen Großanlagen für Synchrotronstrahlung und Neutronen durchgeführt. Bei einem Symposium an der TU Wien beleuchteten namhafte nationale und internationale Experten die Erfolge dieser Kooperationen und berieten die Perspektiven für die Zukunft.

Panel-Diskussion im Kuppelsaal der TU Wien

Ohne internationale Zusammenarbeit wären moderne Synchrotrons und Neutronenquellen nicht mehr denkbar. "Österreich ist in diese internationale Forschungslandschaft sehr gut eingebunden, und bahnbrechende wissenschaftliche Ergebnisse österreichischer Teams erregen immer wieder internationale Aufmerksamkeit", betont der Vorsitzende des die Veranstaltung organisierenden Fachausschusses "Forschung mit Neutronen und Synchrotronstrahlung" (NESY) der österreichischen physikalischen Gesellschaft und Leiter des Instituts für Physik der Montanuniversität Leoben, Univ.-Prof. Dr. Oskar Paris. 

Synchrotronstrahlungs- und Neutronenquellen

In Synchrotronstrahlungsquellen werden Elektronen auf extrem hohe Geschwindigkeiten beschleunigt. Durch mehrere Ablenkstationen mit starken Magneten werden die Teilchen im Kreis geführt, bei jeder Ablenkung emittieren sie hoch-intensive Röntgenstrahlung, die für Experimente genutzt werden kann. Geräte mit österreichischer Beteiligung sind die Europäische Synchrotronstrahlungsquelle ESRF in Grenoble und die italienische Quelle ELETTRA in Triest. Neutronen gewinnt man durch Kernreaktionen in einem Reaktor, oder aber in Spallationsquellen, in denen man spezielle Materialien mit schnellen Teilchen beschießt, wobei Neutronen emittiert werden. Österreich ist derzeit an der Europäischen Neutronenquelle am Institute Laue-Langevin (ILL) in Grenoble beteiligt.

Teilchen und Strahlen für Leoben

Auch an der Montanuniversität Leoben werden Synchrotronstrahlung und Neutronen von mehreren Lehrstühlen intensiv genutzt, und die daraus gewonnenen Erkenntnisse tragen wesentlich zum wissenschaftlichen Output der Universität in hochrangigen internationalen Publikationen bei. Aber nicht nur für die reine Grundlagenforschung sind die europäischen Großforschungsanlagen relevant. Mittlerweile werden diese einzigartigen Sonden auch für viele angewandte Projekte mit Partnern aus der Industrie eingesetzt. "Ohne den Beitrag von Synchrotronstrahlung und Neutronen wären wir nicht so weit gekommen, dass wir jetzt kurz vor dem Einsatz von Titan-Aluminiden in Flugzeugtriebwerken stehen", streicht auch Univ.-Prof. Dr. Helmut Clemens vom Lehrstuhl für Metallkunde und metallische Werkstoffe der Montanuniversität heraus.

Europäische Zusammenarbeit

Neben den wissenschaftlichen Direktoren der Großgeräte mit österreichischer Beteiligung ESRF, ELETTRA und ILL konnten auch zwei Direktoren von wichtigen Quellen der Zukunft, nämlich der europäischen Spallationsquelle ESS in Lund und vom europäischen freien Röntgenlaser X-FEL in Hamburg für Vorträge gewonnen werden. Mit annähernd 150 Teilnehmern sowie insgesamt 22 Vorträgen und 65 Postern war das zweitägige Symposium "Research at European Neutron and Synchrotron Facilities by Austrian Scientists" gleichzeitig eine kompakte Leistungsschau österreichischer Forschungsergebnisse der letzten Jahre in diesem Bereich. 
In einer hochrangigen Podiumsdiskussion wurden unter anderem der zukünftige Bedarf und die dafür notwendigen Ressourcen von österreichischer Seite erörtert. "Der Bedarf österreichischer Nutzer steigt kontinuierlich, und damit müssen auch die österreichischen Beteiligungen an den beiden europäischen Quellen ESRF und ILL diesem Bedarf angepasst und neue Beteiligungen angedacht werden", fordert Paris. 

Weitere Informationen:
Univ.-Prof. Dr. Oskar Paris
Institut für Physik der Montanuniversität Leoben
Tel.: +43 3842 402-4600
E-Mail: oskar.paris[at] unileoben.ac.at