Anfang 2026 wurde an der Montanuniversität Leoben der Forschungscluster Werkstoffe gegründet. Als gemeinsame Koordinationsplattform vernetzt er Forschende aus unterschiedlichen Fachbereichen, wissenschaftliche Infrastruktur sowie externe Partnerinnen und Partner. Ziel ist es, die Zusammenarbeit in der Werkstoffforschung zu stärken und gemeinsame Projekte zwischen Grundlagenforschung, angewandter Entwicklung und Industrie vorzubereiten.
Der Cluster verbindet Kompetenzen entlang der gesamten Entwicklungskette: vom Verständnis materialwissenschaftlicher Grundlagen über Herstellung, Charakterisierung und Simulation bis zur technischen Anwendung. Forschende aus verschiedenen Lehrstühlen arbeiten dabei themenbezogen zusammen und nutzen gemeinsame Methoden, Erfahrungen und Infrastruktur.
„Neue Technologien beginnen häufig mit einer Werkstofffrage. Der Forschungscluster führt die vielfältige Expertise in Leoben zusammen, damit aus guten Ideen gemeinsame Forschungsprojekte werden“, sagt Dr. Michael Burtscher, Manager des Forschungsclusters Werkstoffe.
Acht Themenbereiche für die Werkstoffforschung der Zukunft
Die Forschungsaktivitäten gliedern sich in acht Bereiche:
Hochleistungswerkstoffe, Elektronikwerkstoffe, funktionale Werkstoffe, additive Fertigung, Polymertechnik und Recycling, Modellierung und Simulation, Defekte, Grenzflächen und Mikrostrukturdesign sowie Werkstoffe für Energie, Mobilität und Medizintechnik. Im Mittelpunkt stehen unter anderem moderne Legierungen und Keramiken, Halbleiter, funktionale Beschichtungen, nachhaltige Kunststoffe, Batteriematerialien, Leichtbau und Implantate.
Ein Beispiel für die Forschung im Umfeld des Clusters ist das Christian Doppler Labor für Computergestütztes Design von Kristallzuchtprozessen unter der Leitung von Univ.-Prof. Lorenz Romaner. Es entwickelt Modelle für die Herstellung von Siliziumkarbid-Einkristallen, die für leistungsfähige elektronische Bauteile benötigt werden. Physikalische Simulationen und datenbasierte Methoden sollen Kristallwachstum, Materialqualität und Defektbildung genauer vorhersagbar machen. Das Labor läuft bis Oktober 2029.
Mit dem Projekt NEOFloor, das im September 2026 startet, werden zudem elektrisch leitfähige Polymerwerkstoffe für beheizbare Bodenpaneele in Flugzeugkabinen entwickelt. Kohlenstoffbasierte Leiterstrukturen sollen silberbasierte Lösungen ersetzen und direkt in Heizschichten integriert werden. Beteiligt sind der Lehrstuhl für Chemie der Kunststoffe der Montanuniversität Leoben, das Erich Schmid Institut und das Unternehmen Villinger. Das Projekt läuft bis August 2029.
Als nächster Schritt ist ein regelmäßiges Werkstoffforum geplant. Dieses soll Forschende unterschiedlicher Disziplinen mit aktuellen Forschungsergebnissen, neuen Methoden und offenen Fragestellungen zusammenbringen. Ergänzend sind interdisziplinäre Dissertationen, internationale Forschungsnetzwerke und weitere Kooperationen mit Industriepartnern vorgesehen.
Über den Forschungscluster Werkstoffe
Der Forschungscluster Werkstoffe ist die gemeinsame Plattform für werkstoffbezogene Forschung an der Montanuniversität Leoben. Er bündelt Kompetenzen aus verschiedenen Fachrichtungen und fördert die Entwicklung gemeinsamer Forschungsprojekte mit wissenschaftlichen und industriellen Partnern.
Weitere Infos
Dr. Michael Burtscher
Lehrstuhl für Materialphysik
Mail: michael.burtscher(at)unileoben.ac.at
Tel.: 03842 804 313






