Priyadharshini Perumal: Nachhaltige Baustoffe im Fokus

Die Montanuniversität Leoben verstärkt ihr Profil in der Baustoffforschung mit der Ernennung von Univ.-Prof. Priyadharshini Perumal zur neuen Leiterin des Lehrstuhls für Gesteinshüttenkunde. Die Wissenschaftlerin verbindet Werkstoffforschung, Kreislaufwirtschaft und Bauingenieurwesen mit dem Ziel, industrielle Reststoffe künftig noch stärker als Ressourcen für nachhaltige Baustoffe zu nutzen.

Mit ihrer internationalen Erfahrung bringt die Wissenschaftlerin wichtige Impulse nach Leoben. Nach Stationen in Indien und Finnland möchte sie die Bau- und Werkstoffforschung an der Montanuniversität weiterentwickeln und die ausgewiesene Expertise der Universität in den Bereichen Rohstoffe, Bergbau und Werkstofftechnik für innovative Anwendungen nutzen. Bereits vor ihrem Wechsel nach Leoben arbeitete im Rahmen des Horizon Europe-Projekts „Reesource“ mit der Montanuniversität zusammen.

Industrielle Reststoffe als wertvolle Ressourcen

Im Zentrum ihrer Forschung steht die Frage, wie Baustoffe nachhaltiger hergestellt und natürliche Ressourcen geschont werden können. Baustoffe wie Holz, Naturstein und Zement sind wesentliche Bestandteile unserer Gebäude und Infrastruktur. Ihre Gewinnung, Herstellung und Nutzung gehen jedoch mit einem hohen Bedarf an natürlichen Ressourcen einher. Insbesondere Beton spielt dabei eine bedeutende Rolle: Er ist nach Wasser eines der weltweit meistgenutzten Materialien. Bei seiner Herstellung werden jedoch große Mengen an Rohstoffen und Energie benötigt. Gleichzeitig fallen in zahlreichen Industriezweigen Reststoffe an, die häufig noch deponiert werden. 

Genau an dieser Schnittstelle setzt dieForschung von Professor Perumal an: „Für mich und die anderen Forscher*innen auf meinem Gebiet ist Abfall nicht einfach Abfall“, sagt die neue Lehrstuhlleiterin. „Was für eine Industrie ein Reststoff ist, kann für eine andere Anwendung eine wertvolle Ressource sein.“ Nebenprodukte aus Bergbau, Stahlindustrie sowie Bau- und Abbruchprozessen sollen nicht deponiert, sondern als Ausgangsstoffe für neue, leistungsfähige Baustoffe eingesetzt werden. Damit lässt sich einerseits der Bedarf an natürlichen Rohstoffen reduzieren, andererseits können industrielle Stoffströme sinnvoll in Kreisläufen genutzt werden. Ihr Forschungsansatz lässt sich daher in einem Satz zusammenfassen: „Der Abfall des einen ist die Ressource des anderen.“

Zur Person: Von Indien über Finnland nach Leoben

Ihre akademische Laufbahn begann die gebürtige Inderin mit einemBachelorstudium im Bauingenieurwesen. Nach einem kurzen beruflichen Abstecher in die Softwareentwicklung entschied sie sich bewusst für die Rückkehr zu ihrem ursprünglichen Fachgebiet. „Ich wollte nicht nur am Computer arbeiten, sondern sehen und spüren, was aus meiner Arbeit entstehen kann“, so Perumal.

Im Rahmen ihres anschließenden forschungsorientierten Masterstudiums in Structural and Geotechnical Engineering arbeitete sie erstmals mit einem Bergbauunternehmen zusammen. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie Reststoffe aus dem Bergbau für Bauanwendungen nutzbar gemacht werden können. Für ihre Promotion am Indian Institute of Technology Madras in Chennai vertiefte sie diese Fragestellungen und forschte an nachhaltigen Baumaterialien. Sie beschäftigte sich außerdem mit Verfahren, um Abraum- und Bodenmaterialien aus dem Tagebau für den Einsatz im Bauwesen aufzubereiten. 

Anschließend führte sie ihre akademische Laufbahn nach Finnland. Dort beschäftigte sie sich zunächst als Postdoktorandin im Rahmen eines einjährigen Forschungsprojekts mit der Entwicklung von hochfesten Baustoffen mittels alkalischer-Aktivierung unter Verwendung von Schlacke aus der Stahlindustrie. Es folgte ein Marie-Skłodowska-Curie (MSCA) Postdoctoral Fellowship, eines der renommiertesten Forschungsförderungsprogramme der Europäischen Union. An der University of Oulu in Finnland baute sie schließlich als Associate Professor eine eigene Forschungsgruppe bestehend aus Doktoranten und Postdocs auf, die sich vor allem auf nachhaltige Baustoffe und deren Anwendung konzentrierte. Der University of Oulu bleibt sie auch weiterhin als Affiliate Professor verbunden.

Neue Perspektiven für den Baustoffsektor durch Circular Engineering

An der Montanuniversität Leoben sieht Priyadharshini Perumal besonders gute Voraussetzungen für ihre Forschung. Die Expertise der Universität in den Bereichen Rohstoffe, Bergbau und Werkstofftechnik passen hervorragend zu ihrem bisherigen wissenschaftlichen Profil. Der Lehrstuhl soll künftig auch verstärkt Themen rund um innovative Baustoffe behandeln. Für die neue Leiterin bietet dies die Möglichkeit, zukunftsweisende Forschungsschwerpunkte von Beginn an mitzugestalten. Dabei setzt sie auf Circular Engineering: Materialien sollen möglichst lange im Kreislauf gehalten, Reststoffe als Ressourcen verstanden und neue Baustoffe so entwickelt werden, dass sie ökologische und technische Anforderungen gleichermaßen erfüllen.

Ein besonderes Anliegen ist es ihr zudem, junge Frauen für die Forschung und insbesondere für das Bauingenieurwesen zu begeistern. „Ich komme aus einer sehr konservativen Gegend in Indien, in der es nicht viele weibliche Fachkräfte gab, schon gar nicht im Ingenieurwesen und im Bauingenieurwesen erst recht nicht“. 

Für ihre Arbeit am Lehrstuhl setzt die neue Leiterin auf Zusammenarbeit, Offenheit und eine flache Teamkultur. „Ich verstehe mich nicht als Managerin, sondern als Teil des Teams“. Ihr Anspruch ist es, gemeinsam mit ihren Mitarbeiter*innen anzupacken, Wissen zu teilen und selbst kontinuierlich dazuzulernen. Auch abseits der Forschung hat Leoben die neue Professorin schnell für sich gewonnen. So beeindruckte sie bei ihrem ersten Besuch vor allem die Berglandschaft auf der Zugfahrt von Wien nach Leoben. Ebenso schätzt sie die Überschaubarkeit der Stadt und den starken Gemeinschaftssinn an der Montanuniversität. 

Mit ihrer internationalen Erfahrung und ihrem Schwerpunkt auf nachhaltigen Baustoffen möchte sie die Weiterentwicklung des Baustoffbereichs an der Montanuniversität Leoben aktiv gestalten.

Kontakt
Univ. Prof. Priyadharshini Perumal
Institute of Building Materials and Refractory Technology
Montanuniversität Leoben / Technical University of Leoben 
Tel.: +43 3842 402 3200
E-Mail: priyadharshini.perumal(at)unileoben.ac.at 

auf dem Bild ist Priyadharshini Perumal, neue Leiterin des Lehrstuhls für Gesteinshüttenkunde an der Montanuniversität Leoben zu sehen

Univ. Prof. Priyadharshini Perumal, neue Leiterin des Lehrstuhls für Gesteinshüttenkunde an der Montanuniversität Leoben. Foto: © MUL/Tauderer

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