Absolventin gewinnt zweiten Preis der Körber-Stiftung

Klimaschutz beginnt an der Quelle: Montanuniversitäts-Absolventin Dr. Christine Gröll gewinnt zweiten Preis des Studienpreises der Körber-Stiftung.

Digitale Steuerungsintelligenz ermöglicht CO₂-ärmere Zementproduktion – bis zu 45 Prozent Ersatzrohstoffanteil und 119 Kilogramm CO₂-Einsparung pro Tonne Klinker in der Industrie validiert.

 

Die Montanuniversität freut sich, den Erfolg ihrer Absolventin Dr. Christine Gröll bekanntzugeben. Sie wurde mit dem zweiten Preis des renommierten Studienpreises der deutschen Körber-Stiftung ausgezeichnet. Ihre am Lehrstuhl für Aufbereitung und Veredlung unter der Betreuung von Prof. Flachberger entstandene Dissertation liefert einen praxisbewährten Schlüssel zur Dekarbonisierung der Zementindustrie – genau dort, wo der Großteil der Emissionen entsteht: im Rohstoffsystem. Zement ist das Fundament unserer Infrastruktur und verantwortlich für rund sieben Prozent der globalen CO₂-Emissionen. Ein erheblicher Anteil entfällt rohstoffbedingt auf den Klinkerbrennprozess. Bei ausschließlichem Einsatz primärer Rohstoffe ist diese Emissionsquelle physikalisch bedingt; der entscheidende Hebel zur Minderung liegt daher in der intelligenten Auswahl und Steuerung der Rohstoffe.

Im Zentrum der Arbeit von Dr. Gröll steht die Entwicklung einer proaktiven Prozess- und Qualitätssteuerung, die CO₂-arme Ersatzrohstoffe in großtechnischen Anlagen qualitätskonform nutzbar macht. Sie kombiniert moderne Inline-Analytik zur Echtzeitüberwachung der Rohstoffzusammensetzung mit einer automatisierten Rezepturanpassung und einem optimierten Stoffstrommanagement. Ein modellprädiktiver Steuerungsansatz macht die chemische Variabilität industrieller Reststoffe beherrschbar, sodass Qualitätsabweichungen früh erkannt und unmittelbar korrigiert werden können, ohne die Produktqualität zu kompromittieren.

Großtechnische Industrieversuche im Zementwerk Wietersdorf belegen die Wirksamkeit des Ansatzes. Je nach Standort und Rohstoffsituation sind Substitutionsraten von bis zu 45 Prozent durch CO₂-arme Ersatzrohstoffe erreichbar. Langfristig ergibt sich daraus ein realisierbares Minderungspotenzial von 119 Kilogramm CO₂ je produzierte Tonne Klinker. Hochgerechnet entspricht dies einem potenziellen Einsparvolumen von rund 2,9 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr in Deutschland. Die entwickelte Steuerung wurde sowohl unter Standardbedingungen als auch in Versuchsproduktionen mit maximiertem Ersatzrohstoffeinsatz erfolgreich validiert.

„Dekarbonisierung beginnt an der Quelle. Mit einer intelligenten, vorausschauenden Prozessführung lassen sich CO₂-arme Ersatzrohstoffe sicher und in hoher Qualität in den Zementprozess integrieren – und das in industriellem Maßstab“, sagt Dr. Christine Gröll. 

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Dekarbonisierung nicht nur am Ofen, sondern bereits in der Gestaltung des Rohstoffsystems beginnt. Der Ansatz stärkt industrielle Kreisläufe durch die Nutzung geeigneter Reststoffe, erhöht die Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit von Standorten und schafft die Grundlage für eine skalierbare, nachhaltige Zementproduktion. Damit wird Klimaschutz vom Kostenfaktor zum strategischen Treiber für Innovation, Ressourceneffizienz und regionale Wertschöpfung.

Über den Deutschen Studienpreis

Der Deutsche Studienpreis zeichnet jährlich herausragende Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler aller Fachrichtungen aus. Für exzellente Dissertationen von besonderer gesellschaftlicher Bedeutung vergibt die Körber-Stiftung Preise im Gesamtwert von 135.000 Euro. Der Deutsche Studienpreis zählt damit zu den höchstdotierten wissenschaftlichen Nachwuchspreisen in Deutschland. Schirmherrin ist Bundestagspräsidentin Julia Klöckner. Im Dezember verleiht sie den Deutschen Studienpreis 2026 in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin.

Weitere Informationen
Mag. Christine Adacker
Pressesprecherin 
E-Mail: christine.adacker(at)unileoben.ac.at
Tel.: 0664 80898 7224

Dr. Christine Gröll gewinnt den 2. Preis beim Studienpreis der Körber-Stiftung. Fotocredit: Kay Herschelmann

Dr. Christine Gröll mit ihrem Dissertationsbetreuer Univ.-Prof. Dr. Helmut Flachberger vom Lehrstuhl für Aufbereitung und Veredlung. Fotocredit: Armin Russold

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