Gemeinsam für einen zukunftsfähigen Wissensstandort

Beim Runden Tisch an der Universität Graz forderten die Teilnehmer*innen eine tragfähige Finanzierung für die Leistungsvereinbarungsperiode 2028–2030 der fünf steirischen Universitäten mit dem Bund. Für die Montanuniversität Leoben nahm Helmut Antrekowitsch, Vizerektor für Forschung und Nachhaltigkeit, an der Veranstaltung teil.

Die Steiermark zählt zu den erfolgreichsten Wissenschafts-, Forschungs- und Innovationsregionen Europas. Dieser Erfolg ist das Ergebnis jahrzehntelanger Investitionen in exzellente Lehre, international sichtbare Forschung, sowie einer beispielgebenden Zusammenarbeit der fünf steirischen Universitäten und ihrer Partner aus Wirtschaft, Forschung und Gesellschaft. Eine Finanzierungslücke der Universitäten, wie sie derzeit im Raum steht, würde die Steiermark besonders empfindlich treffen. 

Neben spürbaren Auswirkungen auf die Forschung und Innovationskraft der Region, würden die Kürzungen einen massiven Eingriff in die Zukunft der jungen Menschen bedeuten, deren positive Weiterentwicklung direkt an Betreuungsqualität, Studienbedingungen sowie auf die Breite des Studienangebots gekoppelt ist. 

Die Finanzierungslücke würde auch die Universitätsstädte Graz und Leoben schwer treffen. In der steirischen Landeshauptstadt leben 50.000 Studierende, ein Sechstel der Bevölkerung. Die rund 3.000 Studierenden in Leoben stellen mehr als zehn Prozent der Bevölkerung. 

Auf Initiative der Universität Graz haben Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam darüber beraten, wie die Finanzierung der Universitäten für die kommende Leistungsvereinbarungsperiode 2028–2030 gestaltet werden kann. Mit dem Runden Tisch soll ein Beitrag zu einer sachlichen, gemeinsamen und lösungsorientierten Diskussion geleistet werden. Ziel ist es, eine tragfähige Grundlage für die weiteren Verhandlungen für die steirischen Unis zu schaffen und gemeinsam Perspektiven für die Zukunft der steirischen Wissensregion zu entwickeln. 

Universitäten schaffen Wertschöpfung weit über den Campus hinaus

Wenn das Budget wie kolportiert kommt, wird die Finanzierungslücke die Steiermark in besonderem Ausmaß treffen. Die Region erwirtschaftet mehr als ein Fünftel der gesamten österreichischen Forschungs- und Entwicklungsleistungen; rund ein Viertel davon entfällt auf die öffentlichen Hochschulen. Und auch die innovativen Unternehmen sind auf die an den Universitäten ausgebildeten Expertinnen und Experten angewiesen. 

Für die neue Leistungsperiode 2028–2030 haben die österreichische Universitätenkonferenz (uniko) und die Universitäten vorausschauend einen ohnehin knapp bemessenen Finanzierungsbedarf von 18 Milliarden Euro errechnet. Der Bund aber geht weiter von einer Fortschreibung des bisherigen Uni-Budgets in der Höhe von 16,5 Milliarden Euro gesamt für die österreichischen Unis aus und kalkuliert nach derzeitigem Wissensstand darin auch jene Ausgaben in der Höhe von etwa 1 Milliarde Euro, die bisher nicht von den Universitäten direkt, sondern über andere Budgetquellen finanziert wurden. Auf den Punkt gebracht, würde dieser Budgetkurs eine Finanzierungslücke von insgesamt 2,5 Milliarden Euro für die österreichischen Universitäten für die nächste Leistungsperiode bedeuten.  

„Dass die Steiermark mit 5,3 Prozent die höchste Forschungsquote Österreichs hat, ist kein Zufall, sondern Ergebnis der engen Verzahnung von Universitäten und Wirtschaft: Acht der fünfzehn österreichischen High-Tech-Forschungsprojekte im COMET-Programm werden von einem steirischen Universitätsinstitut geleitet und diese Forschung zieht Betriebe an. Der größte Teil des Ertrags ist aber gar nicht in diesen Zahlen sichtbar: Drei bis zehn Prozent des realen Wirtschaftswachstums gehen auf universitäre Forschung und Lehre zurück. Genau deshalb sind Kürzungen in diesem Bereich so gefährlich – schon fünf Prozent weniger Absolventinnen und Absolventen kosten Österreich langfristig 3,2 Milliarden Euro pro Jahr," betont Monika Köppl-Turyna, Direktorin von Eco Austria

Sparen, ohne Zukunftschancen zu verspielen

Helmut Antrekowitsch, Vizerektor für Forschung und Nachhaltigkeit, Montanuniversität Leoben: „Als Spezialuniversität für Rohstoffe, Energie, Werkstoffe und Recycling tragen wir gemeinsam mit den steirischen Universitäten maßgeblich zur technologischen Leistungsfähigkeit und Versorgungssicherheit des Industriestandorts Österreich bei – von der Gewinnung kritischer Rohstoffe bis zur Kreislaufwirtschaft. Ein verlässlicher, transparenter und realistischer Finanzierungsrahmen sind die Voraussetzung, um exzellente Ingenieurinnen und Ingenieure auszubilden, moderne Labor- und Pilotanlagen zu betreiben und gemeinsam mit unseren Partnern aus Wirtschaft und Forschung Lösungen für die Energiewende, Klimaneutralität und resiliente Wertschöpfungskreisläufe zu entwickeln. Kürzungen in der nun diskutierten Dimension würden unmittelbar die Ausbildung dringend benötigter Fachkräfte gefährden, die Teilnahme an EU- und Kooperationsprojekten erschweren und die Innovationskraft der gesamten Steiermark und im Speziellen der Region um Leoben schwächen. Wir bekennen uns zu Effizienz und Kooperation – wie zahlreiche gemeinsame Initiativen mit den steirischen Universitäten zeigen –, doch die Kernleistungen von Forschung, Lehre und Wissenstransfer dürfen nicht ausgehöhlt werden. Die Montanuniversität Leoben appelliert daher an den Bund, für die Leistungsvereinbarungsperiode 2028–2030 eine tragfähige Finanzierung sicherzustellen, die Planungssicherheit schafft und den Wissens- und Wirtschaftsstandort Steiermark nachhaltig stärkt.“

Kurt Wallner, Bürgermeister der Universitätsstadt Leoben: „Für Leoben ist die Montanuniversität weit mehr als eine Hochschule – sie ist ein zentraler Teil unserer Stadt und eng mit Industrie, Wirtschaft und Arbeitsmarkt verbunden. Wer bei Forschung, Lehre und jungen Talenten spart, schwächt daher nicht nur eine Universität, sondern den gesamten Wirtschafts- und Innovationsstandort. Natürlich braucht es einen verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Mitteln. Aber gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten müssen wir jene Strukturen sichern, die Fachkräfte ausbilden, Innovation ermöglichen und damit unsere Zukunft gestalten.“

Wie vor allem in den vergangenen Monaten mehrfach ausführlich erklärt wurde, bekennen sich die steirischen Universitäten zu einem verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Mitteln. Effizienzpotenziale und Strukturen werden laufend weiterentwickelt. Gerade in der Steiermark haben die Universitäten bereits vor mehr als zwanzig Jahren begonnen, intensiv auf Kooperationen zu setzen (z. B. NAWI Graz, BioTechMed-Graz, Kunst-TU, iHub Graz, Gründungsgarage, Lehramtsausbildung). Sie zeigen mit den gemeinsam geschaffenen Infrastrukturen (z. B. GCP, Cori-Gebäude, Geozentrum) auf, wie man sich gemeinschaftlich stärker positionieren und Kräfte bündeln kann.

Foto: © Uni Graz/Tzivanopoulos

Foto: © Uni Graz/Tzivanopoulos

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