Montanuni Leoben und BPG bündeln Kompetenzen

Aus Bergbaualtlasten werden Rohstoffchancen: Nachhaltige Rohstoffgewinnung, innovative Aufbereitungstechnologien und internationale Forschung: Die Montanuniversität Leoben und die BPG Alternative Minerals Reserves AG haben am 21. Oktober 2026 ein Memorandum of Understanding (MoU) unterzeichnet. Die langfristig angelegte Partnerschaft soll wissenschaftliche Expertise und industrielle Erfahrung verbinden, um gemeinsam neue Lösungen für eine ressourceneffiziente und umweltverträgliche Rohstoffwirtschaft zu entwickeln.

Was der historische Bergbau hinterlassen hat, könnte künftig zu einer wertvollen Rohstoffquelle werden. Ehemalige Bergbaustandorte, Abraumhalden und mineralische Rückstände enthalten häufig noch ungenutzte Ressourcen. Diese wirtschaftlich und umweltverträglich zurückzugewinnen und zugleich bestehende Umweltbelastungen zu reduzieren, zählt zu den Herausforderungen der modernen Rohstoffwirtschaft. Genau hier setzt die neue Kooperation zwischen der Montanuniversität Leoben und der international tätigen BPG Alternative Minerals Reserves AG mit Sitz in Wien an. 

Die Vereinbarung wurde von Rektor Peter Moser und Vizerektor für Lehre und Internationales Thomas Prohaska seitens der Montanuniversität Leoben sowie von Ernst Grissemann, CEO der BPG Group, unterzeichnet. An der Veranstaltung nahmen auch Vertreter der Sektion Bergbau des Bundesministeriums für Finanzen sowie des Außenwirtschafts-Centers Nairobi von ADVANTAGE AUSTRIA teil. 

Rohstoffrückgewinnung und Umweltschutz verbinden 

Die BPG Group beschäftigt sich mit der Rückgewinnung wertvoller und kritischer Rohstoffe aus historischen Bergbaualtlasten. Das Unternehmen verfolgt das Ziel, wirtschaftliche Wertschöpfung mit ökologischer Verantwortung zu verbinden. Im Mittelpunkt stehen innovative Technologien zur Aufbereitung mineralischer Rückstände und zur Rückgewinnung von Metallen aus historischen Bergbauhalden und Grubenwässern. 

Wie sich dieser Ansatz industriell umsetzen lässt, zeigt ein Projekt im Sultanat Oman: Im Juni 2025 wurde in Suhar eine Anlage zur Kupferrückgewinnung aus historischen Bergbaurückständen eröffnet. Das gemeinsam mit der Oman Mining Company und Green Tech Mining & Services unter Beteiligung der BPG Group entwickelte Projekt nutzt moderne Umwelttechnologien und erneuerbare Energien, um aus ehemaligen Bergbauabfällen wieder wertvolle Rohstoffe zu gewinnen. Damit zeigt es das Potenzial, ökologische Herausforderungen mit neuen Möglichkeiten industrieller Wertschöpfung zu verbinden. 

Wissenschaftliche Expertise trifft industrielle Praxis 

Die Montanuniversität Leoben bringt ihre wissenschaftlichen Kompetenzen entlang des gesamten Rohstoffkreislaufs in die Partnerschaft ein. Die geplante Zusammenarbeit umfasst gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten, geologische und mineralogische Untersuchungen, chemische Analytik sowie die Entwicklung und Optimierung innovativer Aufbereitungs- und Metallrückgewinnungsverfahren. 

Weitere Schwerpunkte bilden der internationale Wissens- und Technologietransfer, die Entwicklung gemeinsamer Forschungsprojekte sowie die Ausbildung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse mit industriellen Anforderungen zu verknüpfen und innovative Technologien für eine nachhaltige Nutzung mineralischer Ressourcen voranzubringen. 

Erste gemeinsame Forschungsansätze bereits diskutiert 

Bereits im Anschluss an die MoU-Unterzeichnung fanden vertiefende Fachgespräche am Lehrstuhl für Aufbereitung und Veredlung sowie im Department Allgemeine, Analytische und Physikalische Chemie statt. Dabei wurden erste Möglichkeiten für gemeinsame Forschungsaktivitäten erörtert. 

Ein möglicher Schwerpunkt ist die Untersuchung und Verwertung historischer Bergbaurückstände im Raum Schwaz/Brixlegg. Im Zusammenhang mit der FFG-Ausschreibung „Rohstoffe 2026“ werden Möglichkeiten einer gemeinsamen Projektentwicklung unter Beteiligung von BPG, Ekometall, GeoSphere Austria und der Montanuniversität Leoben geprüft. 

Auch Perspektiven für internationale Forschungskooperationen wurden besprochen. Dazu zählt die mögliche Unterstützung eines Doktoratsprojekts in Äthiopien, das neben der wissenschaftlichen Zusammenarbeit insbesondere den Wissenstransfer und den Aufbau lokaler Forschungskompetenzen fördern könnte. 

Gemeinsam die Rohstoffwirtschaft der Zukunft gestalten 

Mit der Unterzeichnung des MoU schaffen die Montanuniversität Leoben und BPG die Grundlage für eine langfristige Zusammenarbeit an der Schnittstelle von Wissenschaft, Industrie und internationaler Forschung. 

Die Partnerschaft verbindet zwei zentrale Zukunftsaufgaben: bislang ungenutzte Rohstoffpotenziale zu erschließen und gleichzeitig die ökologischen Herausforderungen des historischen Bergbaus anzugehen. 

Durch die Verbindung wissenschaftlicher Expertise mit industrieller Erfahrung wollen beide Partner innovative Technologien weiterentwickeln, nachhaltige Wertschöpfung ermöglichen und einen Beitrag zu einer verantwortungsvollen und langfristig gesicherten Rohstoffversorgung leisten. 

Foto: © MUL/Schnehen

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