Im Rahmen des Besuchs wurden zudem zentrale Stationen zur effektiven Nutzung von Ressourcen besichtigt: Die Methanpyrolyse als Option zur Nutzung von Erdgas und Biogas für die Bereitstellung von Wasserstoff für industrielle Anwendungen; Pilotanlagen, in denen Anwendungspfade für Wasserstoff und Kohlenstoff erprobt werden; sowie die Biomasse-Pyrolyse, gekoppelt mit der Weiterverarbeitung des Produktgases, um Biomasse-Reststoffe möglichst vollständig stofflich zu nutzen. Ergänzend wurde die Anwendung von Kohlenstoff aus der Pyrolyse in der Landwirtschaft diskutiert – etwa zur Bodenverbesserung und als potenzielle Kohlenstoffsenke.
Die Forschenden in Leoben erzeugen im Pilotmaßstab Biokohle aus regional verfügbaren Biomasse-Reststoffen und nutzen gleichzeitig die bei der Pyrolyse entstehenden gasförmigen und flüssigen Nebenprodukte nicht nur energetisch, sondern stofflich weiter. Herzstück des Verfahrens ist die Pyrolyse – die thermische Zersetzung von Biomasse unter Sauerstoffausschluss. Dabei bleibt der Kohlenstoff in Form fester Biokohle erhalten; zusätzlich fallen Gase sowie kondensierbare Öle und Teere an. Da Biomasse zuvor CO₂ aus der Atmosphäre gebunden hat, arbeitet der Prozess in einem kurzzyklischen, biogenen Kohlenstoffkreislauf. In Leoben wird das Pyrolysegas mithilfe der bestehenden Wasserstoff- und Kohlenstoffforschungsinfrastruktur in einer zweiten Prozessstufe zu Synthesegas umgesetzt und anschließend zu Methanol weiterverarbeitet – einer zentralen Plattformchemikalie mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. So entstehen aus Reststoffen hochwertige Produkte und zugleich belastbare Pfade zur Reduktion von CO₂-Emissionen.
Flankierend lag ein Schwerpunkt auf Bewusstseinsbildung im Umfeld des Forschungszentrums (MOSA | Montanuni Outdoor Science Activities). Vorgestellt wurden die Grundidee und die Workshopformate, mit besonderem Fokus auf das Citizen-Science-Projekt openseed.at. Ziel ist es, mittels Samenkugeln mit heimischen Wildblumen und eingelagertem Kohlenstoff die Biodiversität zu steigern, diese Wirkung transparent zu dokumentieren und zugleich den Transfer von Forschung in die Gesellschaft erlebbar zu machen.
„Leoben zeigt eindrucksvoll, wie aus Forschung industrielle Stärke entsteht. Hier wird nicht nur an Zukunftstechnologien gearbeitet, sondern ganz konkret daran, wie wir heimische Ressourcen intelligenter nutzen und daraus neue Wertschöpfung schaffen können. Besonders spannend ist die Verbindung von Wasserstoffforschung, Kohlenstoffnutzung und moderner Biomasseverwertung. Dass aus regionalen Reststoffen hochwertige Produkte wie Methanol entstehen können, zeigt, welches Potenzial in Technologie, Innovation und industrieller Anwendung steckt. Genau solche Projekte stärken den Standort, schaffen Know-how und stärken unsere Wettbewerbsfähigkeit. Als Bundesregierung verfolgen wir diesen Anspruch auch mit der Industriestrategie: weniger Forschung in der Schublade, mehr Transfer in marktfähige Innovationen, Produktion und industrielle Skalierung“, so Staatssekretärin Elisabeth Zehetner.
Die Montanuniversität Leoben und das Forschungszentrum für Wasserstoff und Kohlenstoff arbeiten mit Partnern aus Industrie und öffentlichen Einrichtungen daran, die skizzierten Prozesse weiter zu skalieren, Anwendungsfelder zu erweitern und Know-how in die Praxis zu bringen.
Bildtext: Staatssekretärin Elisabeth Zehetner besuchte das Forschungszentrum für Wasserstoff und Kohlenstoff an der Montanuniversität Leoben. v.l.: Dipl.-Ing. Robert Obenaus-Emler, Staatsseketärin Elisabeth Zehetner, Vizerektor Helmut Antrekowitsch, Dr. David Scheiblehner. (Credit: MUL/Schnehen)
Weitere Informationen
Mag. Christine Adacker
Pressesprecherin
E-Mail: christine.adacker(at)unileoben.ac.at
Mobil: 0664 /808987224

